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"Du bist der Herr, der mein Haupt erhebt"

von Martin Pepper

Mittwoch, 5. Dezember 2007

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Meine Mutter schickte mir einmal eine Grußkarte mit dem Bild eines Schafes, das zum Sprung über eine Hürde ansetzt. Darüber stand: Du schafst das schon! Ich weiß nicht mehr genau, welcher Anlass hinter dieser Aktion von ihr stand – aber die Reaktion in mir war eine Mischung aus Schmunzeln und Stärkung meines Selbstvertrauens. Ich war daran erinnert worden, dass jemand, der mich sehr gut kannte, mir zutraute, die vor mir liegende Herausforderung zu bewältigen. Das half mir, zuversichtlich weiterzugehen.

„Du schaffst es, halt die Deckung hoch“ riefen Jennifers Trainer und Vereinskameraden unserer Tochter am vergangenen Sonntag zu, als sie im Finale des Kickboxturniers nach mehreren Kämpfen schon etwas müde im Ring stand. Meine Frau und ich konnten fast gar nicht hingucken, geschweige denn irgendetwas lautes rufen, während Jenni von einer Gegnerin mit Tritten und Fausthieben unbarmherzig traktiert wurde. Doch in unserer modebewussten sensiblen Tochter steckte auch ein echter Kämpfer. Sie schaffte alle drei Gegnerinnen durch Punktsiege (eine schickte sie sogar auf die Matte!) und ging erhobenen Hauptes in die Siegerehrung. Wir waren bärenstolz auf sie, und unser Kommen hatte sie auch ein wenig zusätzlich motiviert. Auch wenn die von ihr gewählte Sportart nicht unserer Lieblingssonntagsbeschäftigung entspricht, waren wir in der Halle des bekannten Berliner Boxstalls aufgetaucht, um ihr moralische Unterstützung zu geben. Unsere Anwesenheit sollte signalisieren – wir glauben an dich, wir sind stolz auf dich und wir trauen dir eine Menge zu! An dem Tag hat es scheinbar geholfen.

Gott fordert uns manchmal heraus, mutige Schritte zu gehen, Ängste zu überwinden und etwas anzupacken, vor dem wir bisher zurückgeschreckt sind. Gleichzeitig begleitet er uns mit Ermutigung und Trost, wenn wir Rückschläge erleiden.

Ich habe solche Ermutigungen sowohl in Gottesdiensten erlebt, wenn Menschen in prophetischem Zuspruch von Gott her direkte Wertschätzung und Ermutigung aussprechen. So etwas kann sehr heilsam sein, vor allem, wenn es in Verbindung mit irgendwelchen sehr persönlichen Überlegungen kommt, die Menschen normalerweise nicht wissen können. In der Regel sind für mich außer solchen „Bestätigungen“ auch noch Tonfall, Timing und Taktgefühl der redenden Person wichtig, um ihre Worte als ein Reden Gottes für mich anzusehen. Doch dies ist ein anderes großes Thema.

Ich habe die ermutigende Gegenwart Gottes aber viel öfter in unscheinbaren Momenten alltäglicher Aufgaben und Wege erlebt, wenn mir seine Nähe bewusst wurde oder ich an einen Vers der Bibel erinnert wurde. Kleine „wundersame Fügungen“, Entwicklungen, die eine verfahrene Situation in eine „Segenssituation“ umwandelten und Gebetserhörungen, auch wenn ich nicht einmal konkret gebetet, sondern nur zaghaft gehofft hatte. Immer wieder aber die ermutigenden Zeiten der Begegnung mit Gott in der persönlichen Zeit des Bibellesens oder in Zeiten der Anbetung und des persönlichen Gebets. Dort höre ich den Ruf, all das zu werden, das er in mir sieht und empfange Verheißung und Ermutigung.
Gott sieht in jedem von uns schon etwas von der Person, zu der wir werden können. Er kannte das Potential des Simon, der später zu dem Felsen Petrus wurde. Jesus gab ihm von vornherein diesen „Charakternamen“.
„Jesus blickte ihn an und sprach: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du wirst Kephas heißen – was über setzt wird: Stein.“ (Joh.1.42)
Auch wenn Petrus später in einem Fall kläglich versagen würde, war Jesus wiederum in vorbeugender Weise ermutigend. „Simon, Simon! Siehe der Satan hat begehrt, euch zu sichten wie den Weizen (d.h. die Schwachstellen herauszufinden und auszunutzen). Ich habe aber für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhört; und wenn du einst zurückgekehrt bist, so stärke deine Brüder!“(Luk.22.31-32)
Die Ermutigung bestand in der Ankündigung einer Situation, in der Petrus nicht als Glaubensheld, sondern als trauriger Versager hervorgehen würde. Sie zeigte den Stoff, aus dem der Mensch Petrus gestrickt war – manchmal mehr Spreu als Weizen, manchmal unsicher und impulsiv wie ein Schilfrohr im Wind, dass sich je nach Windrichtung mal hierher mal dorthin biegen lässt. Doch Jesus hatte ihn zum Felsen berufen. Jesus hatte die Berufung zur Standfestigkeit in ihn hineingelegt und war bereit, ihm auch nach Zeiten der Enttäuschung wieder etwas anzuvertrauen.
Das ist die Art der Ermutigung, die unser Haupt auch nach beschämenden Fehlschlägen wieder aufrichtet und sagt: Schau mir, dir selbst und dem Leben neu ins Auge. Du bist gefallen, aber du bist nicht am Boden geblieben. Du hast einen Kampf verloren, bist aber dadurch nicht disqualifiziert. Du kannst das, was ich in dich gelegt habe, immer noch weiter entwickeln. Du kannst deine Brüder stärken, auch wenn du dich jetzt noch schwach fühlst. Du kannst meine Schafe weiden, auch wenn du dich selbst manchmal wie ein verirrtes Schaf fühlst. Du kannst meiner Gemeinde ein Felsengrund sein, auch wenn Du Dich eher wie ein Stück Treibsand fühlst. Bleib in meiner Nähe! Bleib an mir dran, und Du wirst über dich selbst hinauswachsen in das hinein, was ich in dir sehe.

Ermutigung kann uns in vielen Wegen zufließen. Gott hat Wege, uns die Unsicherheit zu nehmen und zu „beflügelten Wesen“ zu machen, wenn wir auf die kleinen Ermutigungen am Rande unseres Weges achten lernen. Es mag eine Grußkarte sein, oder das Auftauchen geliebter Menschen, die uns schätzen, so wie wir am Turnier unserer Tochter oder beim Rockkonzert (sehr laut, sehr traschig, sehr dunkel, sehr eng ...) unseres Sohnes auftauchten. Die größte Ermutigung ist eben die beständige Begleitung mit Interesse und Bestätigung.

Vers der Woche
„Du aber, o Herr, bist ein Schild um mich her, meine Ehre und der mein Haupt emporhebt.“ (Ps.3.4)

Impulse für das persönliche Gebet
Wenn mein Blick niedergeschlagen auf den Boden vor mir fixiert ist, sei du der Herr, der mein Haupt erhebt. Wenn mein Herz nur noch schwach vor sich hinpocht, sei du die Kraft, die mein Herz belebt. Wenn ich nichts mehr höre außer den Stimmen der Menschen um mich herum, sei du die Stimme, die mich herausruft. Wenn ich in der Flaute steckengeblieben bin oder nur noch Gegenwind spüre, sei du mein Rückenwind.
Ich strecke dir die Segel meines Lebens entgegen. Fülle sie mit deinem Wind, dem Ruach, dem Lebensgeist und Atem Gottes. Lass mein Menschsein von deinem göttlichen Geist erfüllt werden so wie du dem ersten Menschen, der nur aus Staub geformt war, deinen göttlichen Atem einhauchtest, so dass er zu einer lebendigen Seele wurde. Lass mich eine solche lebendige Seele sein – ein Mensch, der nicht nur existiert, sondern Leben in sich trägt, es versprüht und freigebig andere daran teilhaben lässt.
Sei mein Rückenwind und lass mich Rückenwind für andere sein!

„Du bist der Herr, der mein Haupt erhebt, du bist die Kraft, die mein Herz belebt.
Du bist die Stimme, die mich ruft, du gibst mir Rückenwind.
Du flößt mir Vertrauen ein, treibst meine Ängste aus.
Du glaubst an mich, traust mir was zu, forderst mich heraus.
Deine Liebe ist ein Wasserfall auf meinen Wüstensand,
und wenn ich mir nicht sicher bin, führt mich Deine Hand!
Wind des Herrn, weh in meinem Leben, Geist des Herrn, fach das Feuer an.
Wind des Herrn, du hast mir Kraft gegeben, Geist des Herrn, sei mein Rückenwind.“
Martin Pepper


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